Guanakowolle: Herkunft, Eigenschaften, Nutzung, Preis, Tierschutz

Je seltener eine Wollart ist, desto teurer ist sie – und findet damit den Weg zu Edler Zwirn. Diese Eigenschaften treffen dabei auf wenige Wollarten so sehr zu, wie die Guanako Wolle. Gewonnen aus dem Fell des gleichnamigen Tieres, das heute unter Artenschutz steht, entstehen Produkte, die exklusiver nicht sein könnten. Nicht selten liegt der Preis für einen Guanakopullover beispielsweise bei rund 1.000 Euro. Warum Guanakowolle so exklusiv ist, erfahren Sie jetzt.

Über das Guanako

Guanakowolle

Guanakos leben in Patagonien in bis zu 5.000 Metern.

Mit dem Begriff Guanako (auch Guanco) können wahrscheinlich nur wenige Leser etwas anfangen. Hierbei handelt es sich um ein Tier, das zur Familie der Kamele zählt und dem Lama sehr ähnlich ist (das Lama stammt vom Guanaco ab). Charakteristisch ist:

  • Der fehlende Höker.
  • Eine Länge zwischen 1,20 Meter und 2,10 Meter.
  • Das stattliche Gewicht von rund 120 Kilogramm.
  • Die runden großen Augen.

Begehrt sind die Guanakos jedoch vor allem aufgrund des weichen & dichten Fells, das vor allem in rotbraunen Farbtönen wächst und das Tier vor den kalten Wintern in seiner Heimat entlang der Anden (besonders Patagonien) schützt. Diese hochwertigen Fasern sind besonders im Luxussegment sehr beliebt – pro Tier gewinnen entsprechende Hersteller rund 400 Gramm Guanakowolle pro Jahr.

Der Lebensraum der Guanakos verlangt den Tieren viel ab, weshalb sie nicht nur schnell und flink sind (um ihrem größten Feind, dem Puma, zu entkommen), sondern auch exzellent schwimmen können. Sie leben fast ausschließlich in freier Wildbahn und in Gruppen von zehn bis zwanzig Tieren in Höhen von bis zu 5.000 Metern – ähnlich wie dem Lama, macht die dünne Luft den Guanacos jedoch nicht zu schaffen.

Eigenschaften der Guanako Wolle

Als Guanakowolle wird ausschließlich das feine Unterhaar bezeichnet. Das grobe Oberhaar wird für die Fertigung von entsprechenden Produkten nicht genutzt, da es sehr viel dicker und weniger angenehm auf der Haut ist.

Wie fein und selten das wertvolle Material ist, zeigt ein Blick auf die Faserdicke, die in Mikron gemessen wird – je feiner das Haar, desto weicher und hochwertiger ist es. Die Feinheit der Guanakowolle liegt dabei zwischen 10 und 20 Mikron.

Diese Werte sind in der Welt der Wolle fast unübertroffen. Hinzu kommen weitere positive Eigenschaften, die der Guanako Wolle einen Platz unter den besten und edelsten Zwirnen dieser Welt einbringt:

  • Stark wärmende Wirkung (das macht die Tiere gegen das eiskalte Winterklima quasi immun).
  • Stark feuchtigkeitsabsorbierende Wirkung.
  • Kein Kratzen auf der Haut, dank der feinen Beschaffenheit der einzelnen Haare.

Vom modischen Standpunkt aus punktet Guanakowolle vor allem mit der schönen Farbe. Die meisten Guanakos besitzen ein rot-braunes Fell, wobei Abweichungen in kräftiges Rot, zartes weiß-rosa oder Kupferfarben ebenso möglich sind.

Herkunft der Guanako Wolle

Das feine Fell der Guanacos war bereits bei den Ureinwohnern der Anden beliebt, die das Fell und Leder zum Bau der Zelte und das Fleisch als Nahrungsquelle nutzen. Gleiches galt für die ersten spanischen Eroberer, die jedoch der bis dato größte Feind der Guanacos wurden. Lebten zu diesem Zeitpunkt noch rund 40 Millionen Guanakos in Südamerika, wurde die Gier nach Leder und Fleisch den Tieren schnell zum Verhängnis: Guanakos wurden fast ausgerottet.

Durch aufwendige Schutzmaßnahmen und strenge Regulierungen beim Handel mit den Tieren und der Wolle, stieg der Bestand wieder auf aktuell rund 500.000 Tiere an – im Vergleich zu den früheren 40 Millionen ist das jedoch immer noch sehr wenig.

Diese Regulierungsmaßnahmen betreffen auch die Zucht der Guanakos. Produkte aus deren Wolle werden heute nur selten außerhalb von Südamerika produziert – ist das doch der Fall, spiegelt der außerordentlich hohe Preis wieder, wie aufwendig der Prozess tatsächlich ist.

Das macht auch deutlich: Der Markt für Guanako Wolle ist relativ klein (zumindest im Vergleich mit anderer Wolle, wie Alpaka oder Angora). Meist sind es Kunden, die den Hintergrund der edlen Faser kennen und bereit sind, die hohen Preise für entsprechende Produkte zu bezahlen.

Nutzung der Guanakowolle

Guanako Wolle gehört zu den hochwertigsten Garnen dieser Welt – vielleicht fast schon zu hochwertig, da Produkte aus diesen Fasern sehr selten und fast nur in exklusiven Boutiquen und bei spezialisierten Händlern zu finden sind.

Wer solch einen Shop entdeckt, darf sich dafür jedoch auf Gewebe und Maschinenwaren, Accessoires, Pullover und Decken freuen, die an Wert und Qualität fast nicht zu übertreffen sind.

Preis der Guanako Wolle

Guanako Wolle Preis

Die Gewinnung der Guanakowolle ist sehr aufwändig und dementsprechend summieren sich die Kosten.

Guanakos sind fast ausschließlich in freier Wildbahn zu finden – ein domestizierter Markt existiert bisher nicht. Das bedeutet, dass die Gewinnung der Guanakowolle sehr aufwändig ist, da die Tiere erst eingefangen werden müssen, um an das kostbare Fell zu gelangen.

Der Preis für das Rohmaterial ist schwer zu beziffern, liegt im Durchschnitt jedoch bei rund 130 US-Dollar pro Kilogramm. Für fertige Produkte sind die Preise jedoch sehr viel höher. So kostet ein Pullover aus 100 Prozent Guanako Wolle gut und gerne 1.000 Euro und mehr.

Tierschutz

In puncto Tierschutz ist die Gewinnung von Guanakowolle ein wenig anders zu betrachten, als es bei anderen Wollarten notwendig ist. Der Grund dafür ist einfach: Guanacos leben fast ausschließlich in freier Wildbahn – domestizierte Tiere gibt es nur in Einzelfällen im Rahmen einer Alpakaherde.

Grund dafür sind die strengen Regulierungen, die dazu beitragen sollen, den weltweiten Bestand des vom Aussterben bedrohten Tiers wieder zu vergrößern. Auch deshalb ist das unter Artenschutz stehende Guanako im Anhang II der CITES (= Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) aufgelistet, was den Handel mit den Tieren nur unter bestimmten Umständen zulässt. Dazu gehören:

  • Nachweis, das der Handel dem Bestand der Tiere nicht schadet.
  • Vorliegen einer Ein- und Ausfuhrgenehmigung.

Wer sich dafür interessiert Guanacos zu züchten, sollte dabei die Regeln beachten, die auch für die Haltung von Alpakas gelten – dazu gehören ausreichend große Gehege, regelmäßige Gesundheitskontrollen, das richtige Futter und natürlich die Fellpflege. Allerdings ist es Hobbyzüchtern aufgrund der strengen Regulierungen unmöglich, diesen Wunsch tatsächlich in die Tat umzusetzen. Bedenkt man, wie empfindlich die wildlebenden Tiere sind, ist das aber auch gut so.

So bleiben die Tiere geschützt und können in ihrer natürlichen Umgebung (geschützt durch das Washingtoner Artenschutzgesetz) wachsen und gedeihen, um vielleicht wieder zu alter Herdenstärke zurückzufinden.