Das Zwiebelprinzip ist eigentlich recht schnell erklärt: Sie ziehen einfach mehrere Schichten übereinander an, um einen besseren Wärmeeffekt zu erzielen, weniger zu schwitzen und auch mal eine Schicht ausziehen zu können, wenn es dann doch zu heiß unter der warmen Kleidung wird.

Allerdings ist es mit dieser einfachen Erklärung noch nicht getan und wir wollen es auch keinesfalls bei dieser kurzatmigen Definition belassen. Hinter dem Zwiebelprinzip steckt nämlich noch etwas mehr. So lassen sich nämlich auch wirklich eisige Temperaturen gut aushalten – wenn Sie es denn richtig machen. Wir verraten Ihnen, wie Sie sich perfekt in Schale werfen (Achtung, Wortspiel!).

Die Funktion des Zwiebelprinzips

Eigentlich sind wir auf diesen Punkt ja schon in der Einleitung kurz eingegangen. Natürlich soll das Tragen mehrerer Schichten in erster Linie warmhalten. Ein besonders wichtiger Punkt betrifft allerdings auch die Transpiration, umgangssprachlich auch Schwitzen genannt.

Schwitzen Sie zu viel, wird Ihr Körper feucht und wenn es dann noch kalt ist, kühlt die Flüssigkeit Sie aus. Das entzieht Ihrem Körper Energie und damit kann das bei wirklich arktischen Temperaturen um die -30 Grad Celsius sogar lebensgefährlich werden. Wenn Sie mehrere dünne Schichten übereinander tragen, lässt sich die Wärme in der Kleidung besser an die Umweltbedingungen anpassen.

Sollte es Ihnen doch zu warm werden, oder sollten Sie merken, dass Sie zu schwitzen beginnen, können Sie immer noch eine Schicht ausziehen. Damit Sie sich das lästige Schleppen sparen, gilt folgende kleine Faustregel: Wenn Sie beim Losgehen nicht frieren, haben Sie zu viel an.

Die erste Schicht: Baselayer

Das Fundament ist der wichtigste Teil eines Hauses, da es ansonsten wahrscheinlich einstürzen würde. Ähnlich ist es auch beim Zwiebelprinzip. Die Unterwäsche erfüllt hier wohl den wichtigsten Part, da sie direkt am Körper liegt und damit die Aufgabe hat, Sie bei Wärme zu kühlen und bei Kälte zu wärmen. Daher muss sie Schweiß ableiten und schnell trocknen.

Lange Skiunterwäsche eignet sich am besten. Diese kann zum Beispiel aus Kunstfasern wie etwa Polypropylen sein, denn die trocknen schnell – allerdings haben Kunstfasern natürlich das Nachsehen, wenn es um Gerüche geht. Hier ist Merinowolle deutlich angenehmer.

Die Naturfaser kratzt nicht, hält auch bei Feuchtigkeit warm und kann selbige aber sehr gut ableiten. Zudem hat sie eine antibakterielle Wirkung, die unangenehme Schweißgerüche verhindert.

Sowohl reine Merinounterwäsche als auch Mischgewebe aus Synthetik (etwa Elasthan) und Merino eignen sich gut. Achten Sie beim Kauf auf einen körpernahen, aber nicht einengenden Sitz und auf ein angenehmes Hautgefühl!

Die zweite Schicht: Isolation

Die Isolationsschicht ist für den Kälteschutz zuständig. Dieser ist besonders wichtig, wenn Sie bei arktischen Temperaturen ins Freie wollen. Diese Schicht kann durchaus auch aus mehreren Kleidungsstücken bestehen, je nachdem, wie viel Wärmerückhalt Sie brauchen.

Hier sind wiederum Kunstfasern wie hochwertiges Fleece gut geeignet. Fleece ist luftig und leicht und lässt sich auch angenehm tragen. Wenn der Stoff unter einer weiteren Lage getragen wird, bringt er viel Wärme. Auch Wollgemische sind bis zu einem gewissen Punkt geeignet, allerdings ist Fleece enorm atmungsaktiv und isolierend, was es zur besten Wahl für die Isolationsschicht macht.

Die dritte Schicht: Windschutz

Wer sich vor Kälte schützen möchte, sollte auch den Wind nicht vernachlässigen, denn der kühlt den Körper mitunter ordentlich aus. Planen Sie daher auf jeden Fall einen Windschutz in Ihren Zwiebellook ein. Ideal ist hierfür eine leichte Softshelljacke, an den Beinen hilft eine lange Wanderhose.

Softshell erweist sich hier als besonders funktional, denn das Material ist funktionell, bequem, atmungsaktiv und trotzdem winddicht. Noch dazu hält sie leichten Nieselregen eine Zeitlang auf. Wichtig hierfür ist, dass Sie die Jacke und Hose regelmäßig imprägnieren, dann ist der Schutz besser.

Die vierte Schicht: Nässeschutz

Wenn Sie sich noch zusätzlich in äußerst regnerische Gebiete begeben möchten, planen Sie auf jeden Fall eine wasserdichte Jacke ein. Dies kann zum Beispiel eine Jacke aus Hardshell sein. Die ist zwar nicht so atmungsaktiv wie die oben genannte Softshelljacke, allerdings hält sie wirklich starkem Regen problemlos stand.

Gore-Tex ist ebenso empfehlenswert. Diese ist nämlich atmungsaktiv, aber absolut wasserdicht. Wichtig: Ziehen Sie diese Schicht wirklich nur an, wenn es wirklich nass ist. Denn reine Hardshell- und Gore-Tex Kleidung hält für sich kaum warm und schränkt aber die Atmungsaktivität deutlich ein.

Daunen im Zwiebellook?

Wenn es um wärmende Materialien geht, sind Daunen ganz vorn dabei. Kein Wunder, denn die fluffig-leichten Fasern sind ein platzsparendes Füllmaterial, das Wärme besonders gut speichern kann.

Leicht komprimierbar sind sie auch, Sie können Ihre Daunenjacke also besonders gut zusammenknüllen und als kleines Päckchen im Rucksack verstauen – ohne viel zusätzliches Gewicht und ohne großen Platzverbrauch.

Allerdings schränken dicke Daunenjacken Ihre Bewegungsfreiheit ungemein ein, was gerade bei sportlicher Betätigung recht unpraktisch ist. Tragen Sie die Daunenjacken daher nur, wenn Sie eine Pause machen. Da werden Sie die zusätzliche Wärme zu schätzen wissen.

Wie steht es um Kopf und Fuß?

Nun haben wir ja wirklich ausführlich über die verschiedenen Schichten, die Sie am Körper tragen, berichtet. Etwas haben wir dabei allerdings völlig außer Acht gelassen: Ihren Kopf, die Hände und die Füße. Diese Punkte sind aber nicht weniger wichtig, denn was bringt Ihnen ein warmer Körper, wenn Ihre Füße zu Eiszapfen werden oder Sie Ihre Hände nicht mehr bewegen können?

Hier haben wir die wichtigsten Tipps von Kopf bis Fuß für Sie:

  • Über den Kopf geht am meisten Wärme verloren. Tragen Sie daher bei eisigen Temperaturen auf jeden Fall eine Mütze, zum Beispiel aus Merinowolle. Die kratzt nicht und wärmt aber gut. Darüber ziehen Sie bestenfalls noch die Kapuze Ihrer Soft- oder Hardshelljacke. So bleibt der Wind draußen. Vor allem, wenn Sie empfindliche Ohren haben, sollten Sie diesen Punkt beherzigen.
  • Handschuhe sind auch besonders wichtig. Wärmend und wasserdicht müssen sie sein. Auch hier können Sie das Zwiebelprinzip Tragen Sie zum Beispiel dünne Seidenhandschuhe mit wasserdichten gummierten Handschuhen drüber. Eventuell können Sie auch auf mit Wolle gefütterte Handschuhe zurückgreifen.
  • Socken aus Merinowolle haben sich für die Füße bestens bewährt. Sie wärmen und sind relativ unempfindlich gegen Schweiß. Achten Sie zudem auf eine atmungsaktive, wasserdichte Membran in den Schuhen!
  • Für Socken und Handschuhe gilt: Immer ein wasserdicht verpacktes Ersatzpaar im Rucksack mitnehmen, vor allem, wenn es auf längere Touren geht!

Das Zwiebelprinzip erscheint so logisch und dennoch können Sie dabei recht viele Fehler machen. Wenn Sie unsere Tipps befolgen, dürfte jedoch nichts schiefgehen. Versuchen Sie auf jeden Fall, eine gute Balance zu finden, denn zu viele Schichten sind ebenso kontraproduktiv wie zu wenige. Und lassen Sie sich nicht von Sonnenschein täuschen – nehmen Sie lieber genügend Wechselsachen mit. Sie werden es sich in der Kälte danken!

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Veröffentlicht von Marlies

Marlies Tusch ist begeisterte DIY-Bastlerin und schreibt als freie Redakteurin bei der Informationsseite für edle Wollsorten EdlerZwirn über die exklusivsten Garne der Welt, Tierschutz und viele weitere spannende Themen rund ums Stricken und Häkeln.